Julius Brinkmann (34) hat sich Zeit gelassen und erst einmal an anderen Stellen Erfahrungen gesammelt, bevor er sich dem Reiz des familiären Bekleidungsunternehmens hingegeben hat. Heute ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Bugatti Holding Brinkmann GmbH & Co. KG und spricht mit uns im Interview über die Bedeutung eines Kulturwandels, von Wirtschaftsstandorten sowie von persönlichen Leitbildern und Firmenphilosophien.

Julius, du hast dich während Studium & Praktika auf deinen Einsatz im „Executive Bord“ der Bugatti Holding vorbereitet und bist dabei viel rumgekommen (Deutschland, Österreich und Kanada). Hast du OWL vermisst?

Ehrlich gesagt: nicht wirklich – auch wenn ich schon sehr Heimatverbunden bin und ich mich hier sehr zu Hause fühle. Man hat hier ja seine Familie und ist hier groß worden. Daher wird es auch immer mein Herzstück bleiben. In der Zeit der Selbstfindungsphase wollte ich aber einfach immer nach neuen Dingen suchen, einfach raus, neue Kulturen sehen, neue Menschen treffen und andere Unternehmen kennenlernen. Das hat mich einfach bewegt. Man sucht ja schon seinen Platz im Leben. Da habe ich mich einfach treiben lassen.

Natürlich waren die ersten Wochen in Toronto schwierig. Es ist eben nicht einfach die Familie und den Freundeskreis zu verlassen. Da mussten mich meine Eltern auch ein bisschen schubsen. Aber seine eigenen Erfahrungen zu machen ist ein riesen Tipp an viele junge Leute. Da fängt das Leben erst richtig an. Du fängst an zu lernen und viele Dinge zu begreifen. Man sagt ja auch immer: du hast deinen Horizont dann vielleicht auch erweitern können – und so wars dann auch. Ich bin auch sehr Dankbar drum, dass mir meine Eltern das ermöglicht haben!

Stichwort Selbstfindungsphase – wann kam denn der Zeitpunkt, an dem du dich doch langfristig im Familienunternehmen sehen konntest?

Das hat ehrlich gesagt gedauert. Ich bin jetzt seit fünf Jahren im Unternehmen und war ja davor einmal im Modehandelshaus bei Engelhorn. Das ist ein ganz tolles Haus in Mannheim. Da konnte ich ein Gefühl für die Mode bekommen. Im Anschluss gab es einen „Ausflug“ in die Touristikbranche nach Österreich, weil mich Menschen auch immer sehr begeistert haben. Die Kulturen und zu Reisen, das waren bei mir die Themen neben Mode und Musik. Das Thema Mode entwickelte sich aber erst peu a peu. Unsere Tochterfirmen gaben mir die Möglichkeit einzusteigen und ein Gefühl für den unternehmerischen Circle zu bekommen. Diese tollen Möglichkeiten wollte ich dann natürlich auch nicht missen. Weder in der Schule, noch zu Beginn des Studiums war der Weg jedoch vorgegeben. Bei den Gedanken über die Zukunft musste ich auch Risiken und Ängste mit einbeziehen. Z.B. die soziale Verantwortung, die wir mit fast 1.000 Mitarbeitern haben. Der Modemarkt besitzt wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen, ist in Deutschland aber stark unter Druck. Von daher war es mir wichtig, die Menschen kennenzulernen, das Team sowie die Zusammenarbeit mit meinem Vater, mit meinem Cousin und meinem Onkel. Für uns alle war und ist es wichtig eine Nachhaltigkeit zu entwickeln, bei der man sich wohl fühlt und vor allen Dingen auch Spaß am Job hat. Diese Dinge haben sich dann innerhalb der ersten 3 Jahre immer mehr bewahrheitet und haben sehr gut funktioniert. Eine glückliche Fügung, auch in meinen Verantwortungsbereichen Vertrieb, Produkt, Marketing und Qualität.

Im Unternehmen bist du also schon gut etabliert – was sind die neuen Herausforderungen die noch kommen? Ihr seht euch ja mehr als Lifestyle Marke statt eines reinen Textilunternehmens, wie soll das weitergehen?

Definitiv. Wir haben uns vor zwei Jahren mit dem Team zusammengesetzt, um uns die Markenwerte anzuschauen: wo kommen wir eigentlich her und wo wollen wir hin? Schließlich ist das Produktportfolio sehr diversifiziert und so stark aufgebaut, dass wir heute den Kunden mit Stolz von Kopf bis Fuß eindecken können. Auch international werden wir stark als Lifestyle-Marke anerkannt und bedienen so den Herren im mittleren Mode-Segment. Allein in Deutschland haben wir hier eine lange Historie. Auf unsere Reise des Lifestyles nehmen wir hier vor allem immer erst den Handel mit, da wir glauben, dass Mode morgen immer mehr zum Lifestyle-Produkt wird. Stell dir vor, du hast einen gut gefüllten Kleiderschrank:  Was ist eigentlich richtig? Was trage ich? Was steht mir? Was sage ich damit aus? Deshalb befinden wir uns auch grade in einer starken Marktbereinigung um in Zukunft emotionale Impulse setzen zu können. Der Kunde soll einfach Spaß haben mit der Kleidung, die er trägt.

Thema Kulturwandel – das Unternehmen vorzubereiten und die Mitarbeiter mitzunehmen ist enorm wichtig. Wie ist dabei die Ausrichtung der Geschäftsleitung und wie teilt sich eure Arbeit auf?

Es ist ein ganz klares Zusammenspiel aller Beteiligter. Sonst würde es nicht so gut funktionieren. Ich wurde nicht als Unternehmer geboren und wollte dementsprechend von Beginn an viel lernen. Dabei sind mein Vater und mein Onkel sehr offen und haben viel Geduld, damit ich auch alles aufsaugen und am Ende den eigenen Kopf und die eigenen Ideen mit einbringen kann. Ein Beispiel: Anfang des Jahres habe ich die Leitung des Exports übernommen. Wir wollten einfach eine sehr junge Struktur aufbauen und gemeinsam wachsen, was ich für uns alle als unglaublichen Vertrauensvorschuss sehe. Wichtig ist dabei eine Fehlerkultur zu ermöglichen, daraus zu lernen und zu wachsen. Ich möchte das Unternehmen erfolgreich in der dritten Generation weiterführen und es im Idealfall noch in die vierte Generation übergeben – genauso, wie die anderen auch.

Weiterführen ist ein wichtiger Punkt, genauso wie der Standort. Warum bekennt ihr euch weiter zum Standort Ostwestfalen? Was ist hier so ideal für euch?

Also erstmal ist hier der Ursprung unserer Historie. 1947 hat mein Großvater in Löhne mit dem ersten Standort begonnen und dann ging‘s in den Folgejahren relativ schnell in Richtung Herford, wo wir uns an der Hansa Straße etablieren konnten. 1978 wurde dann auch die Marke Bugatti geboren. Hier geht es nicht nur um die Tradition, sondern auch um die Familie, das Herzblut zur Stadt sowie um was uns bindet. Wir haben hier nämlich auch noch einen Teil der Produktion im Bereich Pikeur. Wir sind sehr stolz, dass diese Möglichkeit noch besteht. Vor 2-3 Jahren haben wir außerdem das neue Verwaltungsgebäude etabliert – ein weiteres Statement für den Standort.

Natürlich gibt es auch viele andere Möglichkeiten für einen Standort. In OWL haben wir aber einen sehr guten Kreis mit viel Industrie vor Ort – und zwar nicht nur für den Bereich Textil und Bekleidung. Es ist schon unglaublich wie viel Kraft hier sitzt. Wir haben hier einen Wirtschaftsstandort, der einer der stärksten in Deutschland ist – auch, wenn er nach außen nicht immer so kommuniziert wird. Somit gibt’s eigentlich keinen schöneren für uns.

Das ist schön zu hören. Die Standortfrage ist definitiv eine wichtige. Wie sieht es denn intern aus? Ihr habt ein Leitbild erschaffen. Was beinhaltet dieses? Gibt’s da einzelne Punkte die du vielleicht anreißen möchtest, wo du sagst das sind die wichtigsten Themen?

Ja richtig, wir haben ein Unternehmens Leitbild entwickelt, das die Werte und Philosophie des Unternehmens beinhaltet – ein Buch wie man so möchte. Die Kultur und die Philosophie sind die Kernpunkte die uns zu dem erfolgreichen Unternehmen gemacht haben das wir heute sind. Ganz klares Kredo ist bei uns ein respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern.  Für eine einheitliche Kommunikation in allen Abteilungen macht es Sinn sich Grundsätze zu vergegenwärtigen. Um die Harmonie im Unternehmen hochzuhalten haben wir noch als emotionale Komponente den Lorbeerkranz als kleine Anstecknadel entwickelt. Jeder Mitarbeiter im Haus erhält eine bronzefarbene Nadel die persönlich übergeben wird. Das ist uns ganz besonders wichtig. Für das 10-Jährige gibt es dann eine silberne und für 25 Jahre im Unternehmen eine goldfarbene Anstecknadel. Wir wollen, dass dieses Unternehmen als Familie im Großen und Ganzen gesehen wird, dass familiär miteinander umgegangen und im Sinne des Unternehmens gearbeitet wird. Ich glaube das tut uns allen gut und ich weiß, dass dies auch viele Mitarbeiter gefreut hat. All diese Werte möchten wir natürlich auch den jungen Leuten vermitteln die zu uns kommen.

 

Hast du eine eigene Philosophie, nach der du dich immer ausrichtest, was deine Entscheidungen betrifft? Gibt’s da bei dir vielleicht ein kleines Kredo?

Es sind immer zwei Dinge die mich bewegen. Zunächst sage ich mir immer “positivity is a choice“. Das bedeutet morgens aufzustehen und gleich eine Positivität nach außen zu tragen die andere ansteckt. Zum anderen ist es wichtig immer wieder aufzustehen. Es gibt Momente, da laufen die Dinge einfach nicht so wie sie sollen, ob beruflich oder auch privat. Ich glaube aber, wenn man immer wieder aufsteht und mit neuem Elan und Positivität rausgeht, dann kommt man vorwärts und dann schafft man auch viel mehr. Das musste ich auch erst lernen. Ich hatte auch Momente in denen ich gezweifelt habe – was auch ganz menschlich ist. Aber wenn du diese gesunde Einstellung hast und auch dafür mit Herzblut kämpfst, morgens aufstehst und andere damit ansteckst, dann kreierst du ein Umfeld mit einer ganz positiven Energie. Und das ist eine wesentliche Erfolgskomponente, die einen auch persönlich nach vorne bringt.

 

 

Modemensch Julius Brinkmann – STATEMENT